Auf dem Weg des Schreibens

Das Verfassen einer Geschichte war schon immer kompliziert. Es ist so schwierig, weil wir dabei ganz auf uns allein gestellt sind. Niemand außer wir selbst ist dafür verantwortlich, welche Entscheidungen getroffen werden. Wie soll ich nur anfangen? Mit welchen Wörtern kann ich einen Text kreieren, den es ohne mich nicht geben würde? Wie soll ich mein Werk aufbauen?  Der Schöpfer, von was auch immer, von einer Vase bis hin zu einem Musikstück, ist fast immer allein und hat Angst, da er weiß, dass er wichtige Entscheidungen ohne fremde Hilfe treffen muss. Ihm ist bewusst, dass er für alles, das mit seinem Werk passiert, verantwortlich ist. Kein Wunder also, dass er Angst hat.

Eine Geschichte zu schreiben, sie anzufangen, ist wie auf eine Reise zu gehen, deren Ziel man nicht kennt. Man weiß zu Beginn nicht, in welchem Rhythmus man sich fortbewegen wird, ob es plötzlich steil bergauf gehen wird, ob die Straße in scheinbar endlos lange Kurven verzweigt oder eher langweilig und gerade sein wird. Wir sind allein. Aber würden wir verstehen, dass schreiben und gehen im Grunde genommen das Gleiche ist, so hätten wir vielleicht weniger Angst.

Man kann sofort, ohne jegliche Vorwarnung, mit langen Sätzen beginnen, eine Folge von Phrasen ohne Ende mit unangenehmen Relativpronomen, ohne dabei jemals aufzuhören mit komplizierten Konzessivsätzen, Bedingungssätzen, Konjunktiven und so weiter. Man könnte aber auch mit einer Frage anfangen. Wie wird dieser Weg wohl sein? Und während man die Frage noch stellt, hat man bereits zu Gehen angefangen und somit auch zu Schreiben. Es kommt auch darauf an, ob es eine gute Ausgangssituation gibt und man so schöne Beschreibungen einbauen kann, um den Leser und den Wanderer an den richtigen Ort zu bringen.

Aber da, da kommt eine beeindruckende Klippe, die wie ein Ausrufezeichen den Weg unterbricht. Lasst uns schneller lesen, erhöht den Herzrhythmus des Wanderers! Wie geht es weiter? Und jetzt, voller Enthusiasmus, betreten wir den Hauptteil der Geschichte, siehe da, eine Reihe von verzweigten Straßen, die rutschig und verwirrend aussehen. Wir haben es geschafft, wir sind angekommen auf einer langen, geraden Strecke. Man muss trotzdem gespannt bleiben bis zum Ende, da kommen ein paar kleine Hügeln, ein paar lange Sätze, die Spannung steigt…bis…ah ja, da kommen die Ellipsen. Es bleibt aufregend, aber wir erklären noch nichts genauer. Wollen wir unseren Leser und unseren Wanderer denn vollkommen verrückt machen? Wir sind richtig in Fahrt, setzen wir doch eine schöne Klammer, entfernen wir uns vom eigentlichen Thema, lassen wir ihn noch etwas warten (Ach, wie lange das Ende immer hinausgezögert wird…). Und gerade, als wir es selbst schon fast nicht mehr erwarten können, ist es endlich so weit. Was für ein Schauspiel, was für eine Aussicht! Das Warten und die ganzen Mühen haben ihre Früchte getragen. Wir haben den Höhepunkt der Geschichte erreicht, das Ziel der Reise. Und jetzt? Nun, mit dieser schönen Aussicht und dieser geschriebenen Seite, habt ihr hoffentlich verstanden, dass Schreiben ist wie Gehen. Gehen ist wie Schreiben. Und Schreiben und Gehen sind wie Leben.

Das Leben ist wie eine Abfolge von Ausrufezeichen, von steigenden und fallenden Handlungen und Momenten der Spannung. Und was haben wir daraus gelernt? Dass alle Satzzeichen notwendig sind: im Leben muss man manchmal einen Punkt machen. Ein anderes Mal, mit bestimmten Menschen, eignet sich ein Strichpunkt besser; so als würde man sagen „mit euch habe ich noch nicht ganz abgeschlossen, es geht noch weiter“. Ab und zu umgibt man sich jedoch gerne mit Menschen, mit denen man große Fragezeichen und noch eindeutigere Ausrufezeichen setzt. Manche Erfahrung, manche Freundschaft und so manche Liebe ist hingegen, wer hätte es gedacht, eine große Klammer, die sie auf ewig umschließt. Denkt man darüber nach, ist das nach so vielen Ellipsen vielleicht auch gut, wenn man einen schönen Aphorismus, ein glückliches Ende findet. Und vergesst trotzdem nicht, dass es von Zeit zu Zeit, mit manchen Personen und manchen Orten, besser ist, dem Ganzen einen Schlussstrich zu setzen und eine neue Geschichte zu schreiben. Wird es schwierig sein, den Weg noch einmal von vorne anzufangen? Zweifellos. Aber es gibt noch so viele neue Geschichten, die erzählt werden müssen.

Pubblicato da Grandi Storielle

Siamo sei ragazze, Carola, Celia, Hannah, Livia, Morena e Sara che si sono conosciute in Erasmus a Chambéry e hanno ora deciso di mettere a disposizione la loro piccola ma grande arte per tutti.

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